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Das Teppichknüpfen – eines der ältesten Kunsthandwerke der Menschheit. So alt, dass einige der Knüpftraditionen, wie in Fars, Kashan und Aserbaidschan, seit 2010 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit geschützt werden.

Im Westen denken Sie bei Orientteppichen vielleicht nur an Bodenbeläge – doch unter den Begriff fallen viele weitere Kategorien, wie beispielsweise Wanddekorationen, Schmuckdecken, Auflagen und Raumtrenner.

Von der Erfindung bis zur Neuzeit – so hat sich das Handwerk entwickelt…

Die Erfindung des Teppichs

Es ist bis heute nicht klar, ob das Teppichknüpfen in nomadischen oder sesshaften Gesellschaften entstanden ist. Das Problem der Archäologie besteht darin, dass Textilien durch Abnutzung, Insektenfraß und Umweltbedingungen kaum erhalten bleiben. Nur in äußerst kalten oder salzigen Regionen überdauern Teppichfragmente schon einmal die Jahrhunderte. Seltener finden sie sich auch in trockenen Regionen, doch dann sind sie sehr fragil.

Als Ursprung des Teppichs wird Zentralasien angenommen. In diesen kalten Regionen boten Bodenteppiche eine Schutzfunktion. Doch zuvor wurden Felle als Kälteschutz genutzt und die Menschen erkannten erst mit der Zeit den Vorteil, den das Scheren und Verspinnen der Wolle zur Herstellung von Garn und Teppichen brachte: Die Viehhaltung wurde dadurch effektiver, dass das Tier nun nicht mehr getötet werden musste und weiter Wolle produzierte.[1]

Zudem wurde durch die experimentelle Archäologie herausgefunden, dass die antiken Knüpf-Methoden von den frühen Webmethoden fester Siedlungen abstammten, wie sie sich in Form der Stadtstaaten des frühen Mesopotamiens fanden. Nomaden hätten von diesem Wissen profitieren und ihre Flachgewebe ergänzen können, doch wann und ob es zu einem solchen Austausch kam, ist ungewiss.

Bereits im ältesten Schriftsystem der Welt, den Keilschrifttafeln, finden sich schriftliche Erwähnungen von Teppichen. Nachdem Sargon von Akkad (2356-2300 v. Chr.) große Teile des sumerischen Reiches (heute Irak) eroberte, verbreiteten sich Sprache und Schrift der Akkadier bis zum Stadtstaat Mari (heute in Syrien). In diesem stark bürokratischen Staat erwähnen mehrere Listen die Teppichweber, eine spezialisierte Gruppe unter den Handwerkern.

Das Teppichweben wurde von beiden Geschlechtern ausgeübt, oft auch mit Frauen in Führungspositionen. Die Teppiche waren eine Grundlage des angenehmen Lebens, wer sie seinen Dienern verweigerte, galt als kaltherzig. Hochwertige Teppiche wurden dagegen als Schmuck im Tempel oder Palast ausgelegt. Aus der Zeit des babylonischen Herrschers Nebukadnezar (605-562 v. Chr.) existieren Abbildungen der Teppiche und Inventarlisten von im Krieg erbeuteten Wollteppichen.[2]

Wann auch immer die Nomaden mit der Knüpfkunst in Kontakt kamen, sie wirkten bei der Verbreitung dieses Wissens als menschliche Katalysatoren. Sie bereisten die Seidenstraße und waren am antiken Mittelmeerhandel beteiligt. Die islamische Expansion verbreitete die Teppichknüpferei nicht nur weiter, sondern beeinflusste auch erheblich ihre Methoden und Symbole. Der koloniale Überseehandel unterstützte dies auch.

Die von all diesen Aktivitäten berührten Gebiete zählen heute zum „Teppichgürtel“. Nur die Länder des Teppichgürtels produzieren echte Orientteppiche. Der Teppichgürtel beginnt im Westen in Marokko, zieht sich über die Maghreb-Zone und den Nahen Osten bis über Zentralasien nach Indien. Der nördlichste Teil des Teppichgürtels umfasst die Türkei im Westen und Tibet und Nordchina im Osten; der südliche Teil umfasst den Kaukasus, Pakistan und ganz Indien. Obwohl Perser, Osmanen und Mongolen starken Einfluss auf die Orientteppiche hatten, ist ihre Symbolik nicht rein islamisch – es gibt auch Orientteppiche mit christlichen, jüdischen und buddhistischen Motiven.

Die frühsten Teppiche

Deutlich jünger als die schriftlichen Erwähnungen sind tatsächlich erhaltene Teppichfragmente, die sich im gesamten Raum des Teppichgürtels finden – daher ist ein Ursprungsort so schwer auszumachen. Das älteste Teppichfragment lässt sich immerhin ins 6. Jahrhundert v. Chr. datieren und belegt das Knüpfhandwerk in der Mongolei, wenn auch ohne erkennbares Muster. Der nur unwesentlich jüngere Pasyryk-Teppich ist dagegen reich im Dekor:

Da das skythische Prinzengrab, in dem er gefunden wurde, geplündert und anschließend geflutet worden war, fror der Teppich vollständig ein und blieb über die Jahrtausende bis zu seiner Wiederentdeckung 1949 erhalten. Der Pasyryk-Teppich misst 1,80 x 2,00 m und weist 278 Knoten pro Quadratmeter auf. Die Farbpigmente stammen von Pflanzen, Kermesit und Insekten aus der mongolischen Steppe.[3]

Den Variantenreichtum früher Teppiche legen auch Fragmente aus Ostturkestan und Lop Nor (Xinjiang, China) nahe. Spätestens mit der Aufgabe der Stadt Uruk wurden große Teile des heutigen Iraks und Iran von den persischen Sassaniden erobert, die im 3. Jahrhundert ihr Großreich begründeten. König Chosrau I (531-579) soll einen mehrere Tonnen schweren Teppich besessen haben, der mit Juwelen und Seidenstofftieren einen ganzen Garten lebensgroß abbildete.

Teppichfragmente der Sassanidenzeit zeigen Fabelwesen, zum Beispiel den Greif, welche jenen des Pasyryk-Teppichs ganz ähnlich sind. Auch für das antike Griechenland und Rom ist die Nutzung von Teppichen nachgewiesen, auch wenn keine Fragmente erhalten sind. In Persien wie auch im antiken Südeuropa waren die Teppiche zu Statussymbolen im halböffentlichen und diplomatischen Raum avanciert. Zu jener Zeit konnte bereits eine Feinheit von 4500 Knoten pro Quadratmeter erreicht werden und die Teppiche bestanden fast alle aus Wolle.[4]

Für die folgenden Jahrhunderte werden Teppiche vornehmend schriftlich beschrieben, beispielsweise in Griechenland als Importland oder China als Herstellungsland. Schon im 2. Jahrhundert musste sich China mit zahlreichen Invasionen zentralasiatischer Völker auseinandersetzen, bei denen es immer wieder gelang, chinesisches Gebiet zu erobern. Die Zentralasiaten hinterließen in diesen Gebieten Teile ihrer Traditionen – so auch das Teppichknüpfen im Nordwesten Chinas.

Buddhistische Mönche bereisten zur gleichen Zeit die Seidenstraße und brachten ihre eigenen Teppiche nach China. So berichtet die Geschichte der Qi (479-502): „Den buddhistischen Haupthallen [der Tempel] wird gewährt, Vorhänge mit Quasten, Wandschirme mit Gold-Boshan-Muster oder Drachen-Phönix-Muster aus rotem Lack, gewebte Fenstervorhänge und wollene Knüpfteppiche als Sitzgelegenheit zu besitzen.“[5] Wenig später berichtete die Die Geschichte der Nördlichen Dynastien über die Sui-Dynastie (590-617), dass He Chou – als Kanzler nächster Untergebener des Kaisers – beauftragt wurde, hochwertige „Brokat“-Textilien nachzuweben: „Persien übersandte üblicherweise Brokatstoffe.

He Chou überwachte das Weben noch schönerer Brokate gemäß kaiserlichem Befehl – [das Nachweben] gelang ihm und er übertraf [die persischen Gewebe] noch; als er sie bei Hofe präsentierte, war der Kaiser sehr erfreut.“[6] Diese Textstelle ist der erste schriftliche Beleg für den Textilhandel zwischen Persien und China und auch der erste Beleg für